KI-Sichtbarkeit messen.
KI-Sichtbarkeit beschreibt, wie oft und wie eine Marke in den Antworten von KI-Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews vorkommt. Wer sie messen will, braucht feste Fragen, mehrere Plattformen und Geduld: Ein einzelner Blick in ChatGPT sagt wenig, erst der Verlauf zeigt, wo eine Marke steht.
Warum das Thema gerade wächst.
Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen nicht mehr als Suchbegriff in eine Trefferliste, sondern als ganzen Satz an eine KI. Seit Ende März 2025 zeigt Google auch in Deutschland KI-Antworten über den Suchergebnissen. Für Marken verschiebt sich damit die Frage: Es zählt nicht mehr nur, auf welchem Platz die eigene Seite steht, sondern ob die Antwort die Marke überhaupt nennt.
Die Kennzahlen.
Fünf Werte haben sich bewährt. Sie bauen aufeinander auf und sagen erst zusammen etwas aus.
| Kennzahl | Was sie misst | Wofür sie taugt |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit | Anteil der Antworten, in denen die Marke genannt wird | Der Hauptwert: Wie oft kommst du überhaupt vor? |
| Nennungen | Wie oft die Marke insgesamt vorkommt, eine Antwort kann sie mehrfach nennen | Zeigt, wie ausführlich über dich gesprochen wird |
| Anteil an Nennungen | Eigene Nennungen im Verhältnis zu allen Markennennungen in denselben Antworten | Der Vergleich mit dem Wettbewerb, oft „Share of Voice“ genannt |
| Zitierte Quellen | Welche Websites die Antworten als Beleg verlinken | Zeigt, wo du ansetzen kannst, auch außerhalb der eigenen Website |
| Stimmung | Ob die Nennung positiv, neutral oder negativ ausfällt | Eine Nennung mit Warnhinweis hilft dir nicht |
Wichtig ist die Grundlage der Rechnung. Eine Sichtbarkeit von 30 % heißt: In 30 von 100 Antworten kommt die Marke vor. Ohne die Zahl der Antworten dahinter ist der Prozentwert wenig wert.
So gehst du vor.
- Fragen festlegen. 20 bis 50 Fragen, so wie Kunden sie einer KI stellen, ohne deinen Markennamen und mit Kaufabsicht: nach Anbietern, Empfehlungen, Vergleichen und Alternativen. Ratgeberfragen nennen oft gar keine Marken und taugen deshalb wenig für die Messung.
- Plattformen wählen. Mindestens ChatGPT und die KI-Antworten in der Google-Suche, je nach Zielgruppe auch Perplexity, Gemini oder Google AI Mode. Die Plattformen antworten unterschiedlich, ein Wert für alle zusammen verdeckt das.
- Markt festlegen. Land und Sprache, in denen deine Kunden suchen. Dieselbe Frage bringt in Deutschland andere Antworten als in den USA.
- Regelmäßig abfragen. Am besten täglich, mindestens wöchentlich, immer mit denselben Fragen.
- Im Verlauf auswerten. Ob sich etwas verbessert, zeigt erst der Vergleich über Wochen. SISTRIX hat für ChatGPT Search gemessen, dass von Woche zu Woche 74 % der zitierten Domains wechseln.
Ein echtes Beispiel: wir selbst.
Am 13. und 14. Oktober 2026 haben wir Kraaw mit Kraaw gemessen. 21 Fragen rund um die Messung von KI-Sichtbarkeit, gestellt auf fünf Plattformen in Deutschland. Das Ergebnis:
- Kraaw kam in keiner der 286 Antworten vor. Sichtbarkeit: 0 %.
- Am häufigsten genannt wurden große SEO-Werkzeuge, die es seit vielen Jahren gibt.
- Die Antworten stützten sich auf 1.902 Quellen von 444 Domains, keine davon war kraaw.com.
Das ist für eine Marke, die es seit wenigen Wochen gibt, kein Wunder. Es zeigt aber, was eine Messung leistet: Sie macht sichtbar, wer heute an deiner Stelle genannt wird und auf welche Quellen sich die Systeme dabei stützen. Genau dort setzt die Arbeit an. Wie, steht in der Anleitung zur GEO-Optimierung.
Ein Hinweis zu den Fragen: Unsere erste Liste enthielt viele Ratgeberfragen („Wie analysiere ich…“). Deren Antworten nennen eher allgemeine Werkzeuge als spezialisierte Anbieter. Fragen mit klarer Kaufabsicht hätten ein genaueres Bild gegeben. Das ist der häufigste Fehler beim Einstieg.
Von Hand oder mit einem Werkzeug?
Für einen ersten Eindruck kannst du ein paar Fragen selbst in ChatGPT stellen. Für eine verlässliche Aussage reicht das nicht, aus drei Gründen:
- Die Antworten schwanken. Dieselbe Frage bringt morgen andere Marken und andere Quellen.
- Dein Konto färbt die Antwort. Verlauf, Einstellungen und Standort beeinflussen, was du siehst.
- Die Menge. 30 Fragen auf fünf Plattformen sind 150 Antworten am Tag. Das wertet niemand dauerhaft von Hand aus.
Worauf es bei einem Werkzeug ankommt, beschreibt der Beitrag GEO-Tool. Einen Überblick über die Anbieter gibt der Vergleich.
Kraaw stellt deine Fragen jeden Tag auf ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews, Gemini, Claude, Google AI Mode und Mistral, wertet Nennungen, Stimmung und Quellen aus und zeigt dir den Verlauf, auf Wunsch als PDF-Bericht für deine Kunden.
Häufige Fragen.
Was ist ein guter Wert für die KI-Sichtbarkeit?
Das hängt von Branche und Fragen ab. Aussagekräftiger als ein absoluter Wert ist der Vergleich: mit deinen Wettbewerbern bei denselben Fragen und mit deinem eigenen Wert vor ein paar Wochen.
Warum steht meine Marke bei null, obwohl wir bei Google gut ranken?
Ein gutes Ranking ist eine gute Voraussetzung, aber keine Garantie. KI-Antworten stützen sich oft auf Vergleichsportale, Fachmedien und Foren. Wer dort fehlt, wird auch mit einer starken eigenen Website selten genannt.
Wie oft sollte ich messen?
Täglich ist ideal, weil die Antworten von Tag zu Tag schwanken und sich Ausreißer dann ausgleichen. Wöchentlich ist das Minimum, um Veränderungen zu erkennen.
Gehört der Markenname in die Testfragen?
Nein. Mit dem Namen misst du, ob die KI deine Marke kennt. Ohne den Namen misst du, ob sie dich von selbst empfiehlt. Für Marketing zählt das Zweite.
Quellen.
- Johannes Beus, SISTRIX: AI Citation Drift, 1. Mai 2026. sistrix.com/blog/ai-citation-drift
- Google: AI Overviews in weiteren europäischen Ländern, März 2025. blog.google
- Kraaw: eigene Messung, 21 Fragen auf fünf Plattformen, 13. und 14. Oktober 2026.